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Regierung betont freie Arbeit der NS-Gedenkstätten

Der deutsch-israelische Philosoph Omri Boehm sollte auf der am Sonntag geplanten Gedenkfeier sprechen. (Archivbild) / Foto: Martin Schutt/dpa
Der deutsch-israelische Philosoph Omri Boehm sollte auf der am Sonntag geplanten Gedenkfeier sprechen. (Archivbild) / Foto: Martin Schutt/dpa

Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald sah sich gedrängt, einen Auftritt des Philosophen Omri Boehm zu verschieben. Israels Botschafter verteidigt das. Doch die Bundesregierung positioniert sich anders.

Die Bundesregierung pocht auf eine unabhängige Arbeit der KZ-Gedenkstätten in Deutschland ohne Einmischung von außen. Dies machte der stellvertretende Regierungssprecher Wolfgang Büchner deutlich. Hintergrund ist Kritik der Gedenkstätte Buchenwald an israelischer Einflussnahme auf eine Gedenkfeier in Weimar. Auf Druck hin habe man die Rede des deutsch-israelischen Philosophen Omri Boehm verschoben, hatte Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner erklärt.

Zum Sachverhalt habe er «mit Blick auf die Unabhängigkeit der Gedenkstätte und ihrer Programmgestaltung hier nichts hinzuzufügen», sagte Vize-Regierungssprecher Büchner. Grundsätzlich wolle er jedoch sagen, dass die KZ-Gedenkstätten in Deutschland unentbehrliche Lernorte gegen das Vergessen seien und gerade bei jungen Menschen das Wissen über das Schicksal der Opfer des Nationalsozialismus wach hielten.

«Das Gedenken, zu dem sie einladen und anregen, setzt voraus, dass sie ihre Arbeit in vollkommener Freiheit, ohne Bedrängung durch staatliche Institutionen oder gesellschaftliche Gruppen nachgehen können», sagte Büchner. «Das bedeutet, dass die Gedenkstätten auch ihre Gesprächspartner frei wählen können müssen.»

Botschafter ist «stolz auf Rote Karte»

Der israelische Botschafter Ron Prosor bekräftigte hingegen öffentlich seine Kritik an Boehm und sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Ich bin stolz darauf, einem Gedenken an die Schoah, das das Leid der Überlebenden relativiert oder den Staat Israel infrage stellt, die Rote Karte zu zeigen – und ich tue dies auch für diejenigen, die ihre Stimme nicht mehr erheben können.»

Zur Begründung sagte Prosor: «Wo Omri Boehm auftritt, hinterlässt er zerbrochenes Porzellan. Die Ideen von Stiftungsdirektor Jens-Christian Wagner, ausgerechnet ihm eine Bühne zu 80. Gedenken des Konzentrationslagers Buchenwald zu bieten, war aberwitzig.» Prosor bezog sich auf kritische Äußerungen Boehms zur Erinnerungskultur, zur israelischen Gedenkstätte Yad Vashem und zur israelischen Politik.

«Das habe ich noch nie erlebt»

Ursprünglich sollte Boehm am Sonntag in Weimar beim geplanten Gedenken zum 80. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora sprechen. Die Rede wurde nach Angaben von Gedenkstättenleiter Wagner verschoben, weil sich ein Konflikt mit Vertretern der israelischen Regierung anbahne. 

Dem rbb sagte Wagner: «Das habe ich noch nie erlebt und ehrlich gesagt, das möchte ich auch nie wieder erleben, tatsächlich gedrängt zu werden. Einem Enkel einer Holocaust-Überlebenden das Wort zu versagen, das ist wirklich das Schlimmste, was ich in 25 Jahren Gedenkstättenarbeit erlebt habe.» Boehm ließ auf Anfrage über seinen Verlag mitteilen, dass er sich dazu nicht äußern werde.

Boehm wurde 2024 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für sein Buch «Radikaler Universalismus» ausgezeichnet. In seiner Dankesrede forderte er im Namen der deutsch-israelischen Freundschaft auch harte Kritik aus Deutschland zum Nahost-Konflikt.

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