Im Streit um eine verschobene Rede des Philosophen Omri Boehm bei einer Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwalds hat sich die Autorenvereinigung PEN zu Wort gemeldet. Aus Sicht von PEN Berlin wäre Boehm ein «höchst geeigneter Redner für die Gedenkveranstaltung gewesen», teilte die Schriftstellervereinigung mit. Sie forderte die für die Veranstaltungsorganisation verantwortliche Gedenkstätte auf, die Rede «baldestmöglich zu realisieren». Boehm ist demnach Mitglied bei PEN.
Gedenkstättenleiter: Überlebende sollen im Mittelpunkt stehen
Hintergrund ist eine Entscheidung der bei Weimar gelegenen Gedenkstätte Buchenwald, eine ursprünglich für eine Gedenkveranstaltung am Sonntag geplante Rede des deutsch-israelischen Autors Boehm zu verschieben. Der Entschluss dazu sei nach Rücksprache mit Boehm gefallen, hatte der Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner zuvor mitgeteilt. Wegen der Einladung Boehms habe sich ein Konflikt mit Vertretern der israelischen Regierung angebahnt, so Wagner.
Um zu verhindern, dass auch die zur Gedenkveranstaltung erwarteten Überlebenden weiter in den Konflikt hineingezogen würden, solle die Rede daher zu einem späteren Zeitpunkt gehalten werden. Bereits zuvor hatte Wagner betont, dass es für die hochbetagten Überlebenden vermutlich der letzte runde Jahrestag sein werde, zu dem sie nach Weimar kommen könnten. Die Überlebenden sollten im Mittelpunkt des Gedenkens stehen.
Heftige Kritik aus Israels Botschaft
Der israelische Botschafter Ron Prosor machte derweil seine Ablehnung gegen Boehm deutlich. Einem der dpa vorliegenden Zitat nach sagte er: «Wo Omri Boehm auftritt, hinterlässt er zerbrochenes Porzellan.» Die Idee von Stiftungsdirektor Jens-Christian Wagner, ausgerechnet ihm eine Bühne zum 80. Gedenken des Konzentrationslagers Buchenwald zu bieten, sei aberwitzig. Prosor bezog sich auf kritische Äußerungen Boehms zur Erinnerungskultur, zur israelischen Gedenkstätte Yad Vashem und zur israelischen Politik.
PEN mit Tadel für Botschaft und Gedenkstätte
PEN Berlin kritisierte den Botschafter: So zeugten dessen Äußerungen in der Sache etwa von einem «eigenwilligen Amtsverständnis». Vereinssprecherin Autorin Thea Dorn bezog sich auf den Leitspruch der Gedenkstätte Buchenwald «Geschichte begreifen – für die Zukunft lernen» und bemängelte: «Ich bezweifle, dass man etwas für die Zukunft gelernt hat, wenn man, wie jetzt geschehen, seine eigenen Überzeugungen verrät und dem Druck nachgibt, den der Vertreter einer Regierung ausübt, die autokratische Züge trägt.»
Boehm, selbst Enkel einer Holocaust-Überlebenden, ließ auf Anfrage über seinen Verlag mitteilen, dass er sich nicht zu der Sache äußern werde. 2024 wurde er mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für sein Buch «Radikaler Universalismus» ausgezeichnet. In seiner Dankesrede forderte er im Namen der deutsch-israelischen Freundschaft auch harte Kritik aus Deutschland zum Nahost-Konflikt.
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