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Mehr Limo aus dem Zapfhahn - Schanktechnik im Wandel

Längst fließt nicht mehr nur Bier durch die Zapfanlagen der Gastronomie. (Archivbild) / Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/ZB
Längst fließt nicht mehr nur Bier durch die Zapfanlagen der Gastronomie. (Archivbild) / Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/ZB

Frisch Gezapftes lassen sich viele gerne schmecken, ohne darüber nachzudenken, wie die Flüssigkeit ins Glas kommt. Doch hinter den Schankanlagen in Kneipen und auf Festivals steckt eine ganze Branche.

An die anstehende Festival-Saison haben auch viele Schankanlagen-Spezialisten große Erwartungen. Gehen Festivals und andere Open-Air-Veranstaltungen in die heiße Phase, habe der auf Events spezialisierte Teil seiner Branche Hochkonjunktur, sagte der Vorsitzende des Fachverbands Getränkeschankanlagen, Stefan Brand. «Ich sage immer, das ist bei uns wie bei den Sommerreifen von "O" wie Ostern bis "O" wie Oktober.» Danach komme die Zeit der Weihnachtsmärkte - inzwischen werden dort auch Glühwein und andere Heißgetränke gezapft, so Brand.

Weniger Bier, komplexere Anlagen

Neben saisonalen wirken sich Brand zufolge auch gesellschaftliche Trends auf die Branche aus. «Der Bierverbrauch geht definitiv runter. Wir nehmen eine starke Verschiebung hin zu alkoholfreien Softgetränken wahr», so Brand. Dabei seien die Schankanlagen für solche Mischgetränke in der Regel komplexer als Bier-Zapfanlagen. «Die Technik, aus Wasser Cola zu machen, ist schon eine andere.» Dem Statistischen Bundesamt zufolge geht der Pro-Kopf-Bierkonsum in Deutschland tendenziell seit vielen Jahren zurück. Trank rechnerisch 2013 jeder Einwohner fast 100 Liter im Jahr, waren es 2023 noch 80 Liter.

Smarter Zapfhahn

Zudem mache sich die Digitalisierung am Tresen bemerkbar: Computer gesteuerte Schanksysteme können Brand zufolge etwa die Daten jedes Ventils tracken, Getränkemengen auf den Milliliter genau ausgegeben und diese dokumentieren. «Als Gast sieht man diese Technik an der Theke nicht unbedingt, aber sie macht die Arbeit transparenter und das ist auch für das Finanzamt relevant», so Brand.

Von Pandemie noch gebeutelt 

Wer sich in der Branche wie er auf Dienstleistungen und Technik vor allem für Events spezialisiert hat, habe noch an den Folgen der Corona-Pandemie zu knabbern. Damals wurden für den Infektionsschutz reihenweise Konzerte, Festivals und andere Veranstaltungen abgesagt - das traf nicht nur die Organisatoren und Musiker, sondern auch die daran hängenden Dienstleiter. 

Um die Akteure und Branchen von Festivals nach der Pandemie wieder besser zu vernetzen, veranstaltet Brand am Freitag erstmals ein eigenes Festival auf dem Erfurter Firmengelände. Er rechnet mit mehreren Hundert geladenen Gästen. «Wir haben auch Vertreter von Unternehmen eingeladen, die etwa dafür sorgen, dass die Handynetze bei Festivals stabilisieren oder Funkgeräte für die Crews bereitstellen.»

Der Fachverband der Getränkeschankanlagen zählt Brand zufolge rund 200 Mitglieder. Zudem gibt es mit dem Bundesverband für Schankanlagen und Gastronomietechnik einen weiteren Interessenverband der Branche. Brand schätzt, dass es deutschlandweit etwa 2.000 Unternehmen mit Bezug zur Schanktechnik gibt, darunter viele Kleinstbetriebe für Anlagenreinigung. Schankanlagen-Spezialisten sind nicht nur in Kneipen und auf Festivals gefragt. Sie bauen, warten und reinigen etwa auch Getränkeanlagen für Systemgastronomie, Krankenhäuser, Schulen und andere Einrichtungen.

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